Das dissonante Shopper-Echo auf Amazon

Einstellungen und Verhalten in Bezug auf den amerikanischen Versandgiganten sind bei den deutschen Kunden nicht im Einklang.

Fast jeder zweite Deutsche findet die Marktmacht von Amazon bedenklich. Dies geht aus einer neuen Studie hervor, die die Pepper Media Holding im Frühherbst dieses Jahres initiiert hatte. Insbesondere jüngere Amazon Kunden sehen die starke Position des US-Giganten im Wettbewerb kritisch und kaufen deshalb bewusst weniger auf der Plattform ein. Einerseits. Andererseits haben die Deutschen – insbesondere die über 17 Millionen Prime-Mitglieder – dem Versandprimus zu einem riesigen Marktanteil verholfen.

Qualität schlägt Bedenken

Warum sind die Kunden so wenig konsequent und ziehen aus ihren Bedenken gegenüber der extrem starken Position von Amazon keine Konsequenzen beim Online-Shopping?  Es ist laut Aussage von befragten Amazon Kunden die Kombination aus günstig(st)em Preis, breitem Angebot und Lieferservice, die sie überzeugt. Gäbe es ein gleichwertiges Wettbewerbsangebot, könnten sich viele derzeitige Amazon-Kunden einen Wechsel zu einem anderen Anbieter vorstellen. Dazu die Anekdote eines kürzlich nicht ganz freiwillig durchgeführten Selbstversuchs, der diesen Sachverhalt veranschaulicht:

Die Frage nach dem Heft des Handel(n)s

Eine dem Autor nahestehende Verwandte – weit in den Achtzigern und ohne Internet-Zugang – benötigte eine bestimmte Art von Notizheft. Typ Schulheft mit 150 Blatt, A5 kariert. Wichtig: Klammerheftung, keine Ringösen! Dem Verfasser dieser Zeilen fiel die Beschaffung des Heftes zu, weil der Händler des Vertrauens meiner Verwandten (ein Schreibwaren-Fachhändler) diesen Artikel nun nicht mehr im Sortiment hatte. Bei der Shopping-Runde nach Feierabend ging es also zuerst in den stationären Handel, um das Heft zu besorgen. Aber weder die einschlägigen Warenhäuser noch die entsprechenden Büromaterial-Fachmärkte führten das anscheinend exotische Schreibwarenutensil. Spezialisierte Fachhändler in Innenstadtlagen dito; die Stichprobe im stationären Handel wurde damit als abgeschlossen erklärt. Internet-Recherche also. Nach einigen Clicks erschien im Suchfenster ein einziges Exemplar des gesuchten Artikels. Din A5, kariert mit 150 Blatt und Rücken-Klammerheftung. Bei genau einem Händler. Wo der Autor ihn bestellt hat? Raten Sie mal. Wenn Sie an einen südamerikanischen Fluss denken, sind Sie auf dem richtigen Weg.

Schreibwaren-Exot:
A5, kariert, 150 Blatt

Druck für den stationären Handel

Im Beispiel ging es nur um ein Heft, das anscheinend zu selten nachgefragt wurde, um sich für stationäre Händler als Listungsartikel zu rechnen. Ersetzen Sie „Heft“ durch „Sportschuh“. Ersetzen es durch „Winterjacke“. Durch Kinderschuhe einer ganz bestimmten Größe, die Sie benötigen, im stationären Handel aber nicht finden. Im Prinzip geht es doch für den – ehemals rein stationären – Händler darum, seinen Kunden eine echte Alternative zu bieten, um gegen Amazon & Co bestehen zu können. Und genau hier steckt für viele Retailer noch jede Menge Optimierungspotenzial. Sollte dies nicht erschlossen werden, wird sich die eingangs geschilderte Situation weiter verfestigen.