Härtefall der Woche: Sonderangebote für Hamsterware

Wachstums-Champions in der Ausnahmesituation

Ganz klar, Desinfektionsprodukte und Toilettenpapier, diese beiden Warengruppen hätte ich ganz oben eingeordnet bei der Frage nach den Sortimenten, die am stärksten von den durch die Corona-Krise ausgelösten Bevorratungskäufen profitieren. Und ja, man wäre sicher auch auf Grundnahrungsmittel wie Mehl, Reis oder Zucker gekommen in Zeiten, in denen zu hause mehr gekocht und gebacken wird. Nicht unbedingt auf der Liste wären bei mir die Brotmischungen gelandet. Deren signifikant hohen Zuwachsraten dürften allerdings daran liegen, dass sie im Vergleichszeitraum einfach weniger stark nachgefragt waren, als andere Kategorien. Außerdem in den Top-10 enthalten: Teigwaren und H-Milch. Hier die Warengruppen mit den höchsten Absatz-Zuwächsen im Vorjahresvergleich lt. Nielsen.

Die Top-10 der Warengruppen mit den stärksten Absatzzuwächsen in KW 10
Quelle: Lebensmittel Zeitung

Kommen wir zum Thema des Tages, den kommunikativen Umgang der LEH Betreiber mit Hamsterkäufen auf ihren Flächen. Neben logistischen und kostenrechnerischen Herausforderungen, stellt die derzeitige Situation starker Beschränkungen des öffentlichen und privaten Lebens, auch hohe Anforderungen an die POS-Kommunikation der Händler.

Unterschiedliche Kommunikationsstrategien

Ohne ausführlich auf die unterschiedlichen Varianten der Shopper-Kommunikation im LEH einzugehen – das wäre einen eigenen Beitrag wert – ist im Rahmen von Storechecks feststellbar, dass die Händler dieses Thema unterschiedlich handhaben. Von Apellen an die Vernunft der einkaufenden Kunden bis zu – gestützt durch die Kommunalpolitik – rigorosen Warenkorb-Kontrollen durch das Kassenpersonal reicht die Palette. Was ist dieser Situation nicht zielführend scheint, ist eine zusätzliche Befeuerung des Absatzes mit Promotionmaßnahmen für die ohnehin schon kaum vorrätigen Kategorien.

Hat der LEH „den Schuss nicht gehört“?

Dennoch ist in den Anzeigenblättern dieser Woche genau das zu finden; Sonderangebote für Warengruppen aus den eingangs zitierten Top-10 der Nachfrage-Champions. Beispiele: Netto bewirbt im Prospekt der laufenden Woche u. a. Pasta von Barilla für 0,75 Euro das halbe Kilo. Kaufland setzt die haltbare Milch in die Aktion und verkauft den Liter diese Woche zu 88 Cent. Auch bei Globus finden sich mehrere rabattierte Grundnahrungsmittel im aktuellen Angebotsblatt. Stehen hinter diesen Angeboten entsprechende Warenverfügbarkeiten auf der Fläche, ist die ‚Veraktionierung‘ ausgerechnet dieser Artikel noch einigermaßen nachvollziehbar. Vermutlich dürfte es in der Breite des Distributionsuniversums jedoch erhebliche Regallücken geben. Dann ist die Promotion-Maßnahme nicht nur wirtschaftlich nicht sinnvoll, sondern bedeutet auch ein kommunikatives Eigentor.

H-Milch, Puderzucker, Haferflocken & Co. bei Kaufland im Angebot
Barilla Pasta gibt es zum Aktionspreis bei Netto bis Samstag, den 28.03.
Von Butter bis Zucker, von Salz bis Mehl: Grundnahrungsmittel bei Globus im aktuellen Faltblatt.

Dass es ein – zumindest temporäres – Umdenken in der Branche in Bezug auf preisaggressive Angebotswerbung geben könnte, zeigt die Maßnahme erster Retailer, auf Angebote im Moment zu verzichten und die Tatsache, dass es im Ausland (Belgien) bereits staatlich verordnete Rabatt-Verbote für den LEH gibt. 

Leere Regale in unterschiedlichen Vertriebsschienen als Zeitzeugen einer außergewöhnlichen Situation und als Dokumentation der derzeitigen Hamsterkäufe im LEH, zeigt die Lebensmittel Zeitung online:
https://www.lebensmittelzeitung.net/galerien/Hamsterkaeufe-im-LEH-1475